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Die Bibel – Gottes Wort in Menschen Wort – was bedeutet das eigentlich? Und welche Relevanz hat das für mein Leben?

Predigt @home am Samstag 07.02.2026

Aus einem Bericht von Open Doors: Ein Ort im Irak. Ein 9 jähriges Mädchen presst ein Buch auf seine Brust und sagt mit fester Stimme: „Ohne meine Bibel geh ich nicht von hier weg“. Die Eltern, irakische Christen wissen nicht was sie tun sollen. Sollten sie bei Ihrer Flucht angehalten und durchsucht werden, könnte diese Bibel sie alle das Leben kosten. Sie beten gemeinsam um Gottes Schutz. Dann entscheiden sie, dass das Kind die Bibel mitnehmen darf.

Menschen riskieren ihr Leben nur um eine Bibel mit zu nehmen. Wie absurd ist diese Geschichte die ich gerade erzählt habe, für Dich? Während in Deutschland und vielen anderen Ländern die Bibeln im Regal verstauben – die Menschen zwei oder mehr Bibel haben, aber keine davon lesen – gibt es für Christen in einigen Ländern, nichts wertvolleres als eine Bibel zu besitzen.

Was macht die Bibel für diese Christen so wertvoll, dass sie bereit sind ihr Leben dafür aufs Spiel zu setzen?

Die Antwort ist einfach: Sie sind der Überzeugung, dass die Bibel das Wort Gottes ist. Sie sind der Überzeugung, dass die Bibel sagt, was Gottes Wille ist und wie er möchte, dass wir als Christen, als Nachfolger Jesu leben.
und deshalb sind sie bereit ihr leben dafür aufs Spiel zu setzen.

Die Meinungen über die Bibel sind sehr vielfältig. Für manche Menschen ist die Bibel, ein „Buch mit sieben Siegeln“. Unverständlich und missverständlich. Für manche ist die Bibel ein Märchenbuch. Für andere ein großartiges literarisches Werk. Wieder andere sehe in der Bibel, das unabänderliches Wort Gottes. Es gibt Menschen, die durch das Lesen der Bibel zum Glauben gekommen sind. Und es gibt Menschen, die schockiert sind, welche Brutalität dort gerechtfertigt wird.

Warum ist das so, dass die Bibel so unterschiedlich gelesen oder wahrgenommen wird?

Aus meiner Sicht, gibt es da zwei wesentliche Punkte.
1. mit welcher Brille lese ich die Bibel. Als literarisches Werk, als Märchenbuch, als Glaubenszeugnis von Menschen, die etwas mit Gott erlebt haben, als Gottes Wort in Menschen Wort oder als Wort für Wort eingegebenes Reden Gottes
2. lese ich die Bibel, mit dem Heiligen Geist oder ohne ihn – dazu komme ich später nochmals.

Es ist gut, wenn wir als Mitarbeitergemeinde wissen, mit welcher Brille wir die Bibel lesen, denn das sagt etwas darüber aus, wie wir sie interpretieren und auslegen wollen. Sonst lesen wir das Gleiche und verstehen es völlig unterschiedlich oder wir verwenden wir u.U. die gleichen Worte, aber meinen völlig unterschiedliche Dinge.

Deshalb haben kluge Menschen in unserem Grundverständnis der MAG formuliert, wie wir die Bibel als MAG verstehen wollen. Dort steht:

Wir verstehen die Bibel als Gottes Wort, vom Heiligen Geist inspiriert und von Menschen geschrieben (Gottes Wort im Menschen Wort). Dabei benutzte Gott die Intelligenz, die Individualität, den literarischen Stil und die persönlichen Gefühle der menschlichen Verfasser.

In der Bibel begegnen wir Jesus Christus als dem end-gültigen Wort Gottes.

Die Bibel ist für uns der verbindliche Maßstab unseres Glaubens. An ihr wollen wir unser Leben ausrichten. Unsere Verkündigung und alles aktuelle Reden Gottes heute (prophetische Aspekte) sind an ihr zu überprüfen. Es gibt keine Offenbarung Gottes über die Bibel hinaus.

Wie die Schreiber der biblischen Bücher auf die Leitung des Hl. Geistes angewiesen waren, so sind auch wir es beim Lesen der Bibel.

Die zentrale Mitte des Neuen Testamentes ist Jesus Christus. Von ihm aus erschließt sich uns die ganze Bibel.

richtig gut formuliert finde ich das.

  • im Grundverständnis wird festgehalten, wie wir gemeinsam die Bibel lesen, auslegen und verstehen wollen.
  • mit diesem Bibelverständnis, also dem Gottes Wort in Menschen Wort, bewegen wir uns zwischen rein historisch-kritischem Bibelverständnis, in dem z.B. Wunder nicht möglich sind, und damit auch keine leibliche Auferstehung, und einem Verständnis der Bibel als verbal-inspiriert, was bedeutet, dass jedes Wort genau die Bedeutung hat, und so verstanden werden muss, wie es dasteht. Unabhängig von der Situation in der es hinein gesprochen wurde.

Ich erkläre das später noch etwas genauer, inkl. Beispiel.

Soweit so gut, aber

Wie sind wir eigentlich dazu gekommen, dass wir als MAG die Bibel so lesen, auslegen und verstehen wollen, wie wir es im Grundverständnis festgehalten haben?

Dazu drei Punkte:

  1. Jesus selber hält die Bibel für vertrauenswürdig
  2. Zuverlässigkeit der biblischen Aussagen
  3. Statistik
  1. Jesus selbst hält die Bibel für vertrauenswürdig und gültig:
  • in Lukas 17,26–32: spricht Jesus über Noah und Lot als historische Personen und Ereignisse: „In den Tagen, in denen der Menschensohn kommt, wird es sein wie in den Tagen Noahs.[…] Es wird auch sein wie in den Tagen Lots. …“ Jesus geht davon aus, dass Noah und Lot gelebt haben und das was in den Schriften erzählt wird, historische Erzählungen sind.
  • in Matthäus 5,17–18, sagt Jesus: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz oder die Propheten außer Kraft zu setzen. Ich bin nicht gekommen, um außer Kraft zu setzen, sondern um zu erfüllen. Denn ich sage euch: Solange Himmel und Erde nicht vergehen, wird auch kein einziger Buchstabe und nicht ein einziges Strichlein vom Gesetz vergehen; alles muss sich erfüllen.“ Jesus betont hier die unveränderliche Gültigkeit der Schrift. (Gesetz meint nicht nur die 10 Gebote, sondern einen großen Teil dessen, was wir heute als Altes Testament bezeichnen)
  • in Johannes 10,35: sagt Jesus wortwörtlich „…und was die Schrift sagt, ist unumstößlich!“ Jesus sagt also, dass die Schrift, die hebräische Bibel eine unfehlbare Autorität hat.
  • es gibt noch weitere Bibelstellen, die das unterstreichen

Wir halten fest: Jesus versteht die hebräische Bibel als belastbares geschichtliches Zeugnis, wahrer Ereignisse!

Ich komme zu

2. Zuverlässigkeit der biblischen Aussagen

Vorweg: Keine einzelne der folgenden Aussagen, „beweist“ die Bibel. Aber – und ich kratze mit dem was ich nun sage nur an der Oberfläche, im Gesamtzusammenhang zeigt sich, dass es kein vergleichbares „Geschichtsbuch“ gibt, dass auch nur ansatzweise ähnlich vertrauenswürdig ist, wie die Bibel.

  • Textkritik: In Qumran wurde ein Jesaja Text gefunden, der etwa 1000 Jahre älter war, als der bis dahin älteste Jesaja Text. Man hat diese miteinander verglichen und festgestellt, dass der hebräische Bibeltext über diese knapp 1000 Jahre sehr stabil überliefert wurde. 95% sind identisch. Unterschiede bestehen in unterschiedlichen Schreibweisen und auch kleine Schreibfehler. Der Sinn des Textes dagegen ist unverändert.
  • Es gibt zahlreiche archäologische Funde, die beweisen, dass die geschichtlichen Aussagen der Bibel korrekt sind. z.B. die sog. Tel-Dan-Stele, die einen „König aus dem Haus Davids“ belegt, und auch den Zeitraum bestätigt, in der David nach biblischem Zeugnis gelebt hat. Nur ein Beispiel, es gibt viele weitere, die die Zuverlässigkeit der biblischen Überlieferungen unterstreichen.
  • Details, die man lieber nicht erzählen würde. wie z.B. das Versagen der Jünger, oder dass die ersten Zeugen der Auferstehung Frauen sind. Diese Punkte sprechen dafür, dass es Erinnerungen sind und keine Konstruktionen. Sonst hätte der Erzähler es anders dargestellt.
  • Die Bibel entstand über einen Zeitraum von ~1500 Jahre, und beinhaltet viele literarische Gattungen und hat mehr als 40 verschiedene Autoren. Trotzdem zeigt sich in der Bibel eine durchgehende, sich entwickelnde Heilsgeschichte (von Schöpfung–Sünden-Fall–Verheißung der Rettung –Erfüllung der Rettung in Jesus –Hoffnung auf eine zukünftige Welt). Dies spricht sehr stark für einen Meta-Erzähler. Jemanden, der im Hintergrund den Überblick behält.

Wir halten fest: es gibt sehr viele Indizien, die beweisen, dass die Bibel und die dort geschilderten Ereignisse, vertrauenswürdig sind.

3. Statistik

über 300 Textstellen aus dem alten Testament, finden sich im Leben Jesu wieder. Statistiker wie Peter Stoner haben berechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass nur 8 dieser Prophezeiungen zufällig in einer Person erfüllt werden, bei 1 zu 10¹⁷ liegt. Bei 48 Prophezeiungen steigt die Wahrscheinlichkeit auf 1 zu 10¹⁵⁷. Wer möchte kann ausrechnen, welche Zahl bei 300 erfüllten Prophezeiungen herauskommt.

Wir halten fest, die Statistik spricht klar dafür, dass die in der Bibel beschriebenen Ereignisse und Aussagen, nicht zufällig sind.

Ich wiederhole:
• Jesus versteht die hebräische Bibel als belastbares geschichtliches Zeugnis, wahrer Ereignisse!
• es gibt sehr viele Indizien, die beweisen, dass die Bibel und die dort geschilderten Ereignisse, vertrauenswürdig sind.
• die Statistik spricht klar dafür, dass die in der Bibel beschriebenen Ereignisse und Aussagen, nicht zufällig sind

Wir halten insgesamt fest: die Bibel ist sehr vertrauenswürdig und hat dadurch einen hohen Anspruch auf Autorität.

Was bedeutet es denn nun konkret, Gottes Wort in Menschen Wort, also wenn wir die Bibel so verstehen, wie es in unserem Grundverständnis dargelegt ist?

Vorhin habe ich kurz vom historisch-kritischen und verbal-inspirierten Bibelverständnis gesprochen. und dass wir uns mit unserem Bibelverständnis Gottes Wort in Menschen Wort, dazwischen bewegen.
Es ist gut sich das kurz im Überblick anzuschauen.

Wer historisch-kritisch die Bibel liest, der nimmt Geschichte, Kontext und auch die literarische Gattung sehr ernst. Es gibt keine Wunder, d.h. diese sind im übertragenen Sinn zu verstehen. Es gibt damit auch keine Auferstehung. Die biblischen Texte sind in diesem Fall Zeugnisse des Glaubens. Sie sind keine Berichte von historischen Ereignissen.

Wer die Bibel mit dem Verständnis Gottes Wort in Menschen Wort liest, der nimmt sowohl die Bibel als Wort Gottes ernst, weiß aber auch um die Individualität der Autoren, und dass ihre Persönlichkeit in das was sie aufgeschrieben haben mit eingeflossen ist. Wunder und damit die Auferstehung Jesu sind möglich. Und in der Bibel finden sich viele tatsächliche historische Ereignisse, die von Menschen aufgeschrieben worden unter Mitwirkung des Heiligen Geistes.

Wer in der Bibel das verbal-inspirierte Wort Gottes sieht, der hat ein sehr starkes Vertrauen in die Autorität der Bibel. Alles ist 1:1 so passiert, wie es in der Bibel berichtet wird. Die Situation, des Textes, geschichtlich oder kulturell ist nicht so wichtig. Denn: Gott hat den Autoren Wort für Wort eingegeben, was sie schreiben sollen.

Wichtig: es gibt auch innerhalb der jeweiligen Bibelverständnisse durchaus Unterschiede. In meinen Beispielen, verwende ich aber sozusagen eine Art „Reinform“.

Ein Beispiel um es etwas zu veranschaulichen, was das jeweilige Bibelverständnis für einen Bibeltext bedeuten kann.

Die Schöpfungsgeschichte (1. Mose 1+2)

→ historisch-kritisch: mythische/ symbolische Erzählung ohne naturwissenschaftliche Fakten. Die eigentliche Aussage ist: Gott ist der Schöpfer, die Welt ist kein Zufall.
→ verbal-inspiriert: In sechs mal 24 Stunden hat Gott die Welt erschaffen. Die Erde ist nur ca. 10000 Jahre alt. Die Jahreszahlen in der Chronologie von Adam bis Abraham dienen als Berechnungsgrundlage.
→ Gottes Wort in Menschen Wort: Glaube, dass es möglich ist, dass Gott in sechs mal 24 Stunden die Welt erschaffen hat. Aber nicht unbedingt, dass er es so gemacht haben muss. Aber er kann durch sein Wort „erschaffen“!

Das Beispiel habe ich jetzt sehr holzschnittartig erklärt. Es gibt einen KG Abend, in dem ihr euch damit intensiver beschäftigen könnt.

Wichtig ist auch, was ändert sich denn an meiner Glaubenspraxis, wenn ich die Bibel mit einer bestimmten Brille lese?

Das möchte ich kurz am Beispiel Gebet verdeutlichen.

Historisch-kritisch:
Gebet verändert den Beter: Es klärt Gedanken, stärkt Haltung und macht handlungsfähig, weil sich der Blick verändert. – keine Erwartung von Gottes Eingreifen.

Verbal-inspiriert:
Gebet verändert auch die Situation: Im Glauben an wörtliche Verheißungen wird Gottes Eingreifen erwartet und teilweise auch eingefordert. Die innere Haltung des Glaubens wird als Schlüssel angesehen.

Gottes Wort in Menschenwort:
Gebet verändert Beter und u.U. auch die Situation: Es geht um Beziehung zu Gott. Und in dieser vertrauensvollen Beziehung wirkt Gott wie es ihm gefällt. Er kann eingreifen, tut es aber nicht immer. Und das Eingreifen Gottes ist nicht immer so wie erwartet oder erwünscht, aber so, dass ER zu seinem Ziel kommt.

Ich komme zum nächsten Punkt.

Nun kommt es in der Bibel vor, dass z.B. in den Evangelien unterschiedliche Varianten eines Ereignisses erzählt werden.

Wie gehen wir damit um, dass in der Bibel teilweise unterschiedliche Varianten eines Ereignisses erzählt werden?

  • Manche Unterschiede erklären sich u.U. daraus, dass es unterschiedliche Ereignisse sind.
    • Beispiel: In allen vier Evangelien wird von einer Salbung Jesu erzählt. Lukas erzählt davon, dass die Füsse gesalbt werden und es eine sündige Frau ist. Markus und Matthäus erzählen von einer Salbung am Kopf, nennen nur eine Frau als ausführende und bei Johannes ist es Maria, die Schwester von Lazarus, die Jesu Kopf salbt. Wenn man genau hinschaut, dann wird klar: Es sind mindestens zwei, vielleicht sogar drei unterschiedliche Ereignisse die hier ähnlich erzählt werden.
  • Manche Unterschiede lassen sich erklären, weil die Erzähler unterschiedliche Perspektiven einnehmen und unterschiedliche Zielgruppen vor Augen haben. In diesem Fall sind die Unterschiede vor allem theologische Akzente, oder dem Vorwissen, oder Nichtwissen der Leserschaft zu tun.
    • Beispiel: Die Evangelien erzählen alle das Leben und Sterben Jesu. Aber jedes hat einen besonderen Blickwinkel darauf. Das liegt daran, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen geschrieben wurden. Und es liegt natürlich auch an den Autoren. Jeder von ihnen hat seine individuelle Sicht darauf, was bei Jesus besonders wichtig ist. Klar ist aber auch, dass die Evangelien sich in ihren Grundaussagen in keiner Weise widersprechen.
  • Manche Unterschiede sind kulturelle und / oder sprachliche Besonderheiten.
    • Wie wir heute ein Ereignis erzählen und wie die Menschen zur Zeit Jesu erzählt haben, kann sehr unterschiedlich sein. In der sog. semitischen Erzählweise ist die Bedeutung von Zahlen nicht immer numerisch, sondern häufig symbolisch. d.h. drei Tage sind nicht unbedingt 72 Stunden, sondern können auch einfach eine kurze Zeit bezeichnen.
    • Wir denken Ereignisse chronologisch, also in der zeitlichen Reihenfolge. Semitisch denkt viel stärker in Inhalten, d.h. es wird das zusammen gefasst, was inhaltlich zueinander passt.

Sehr komplex und spannend. Dazu hab ich einen KG Abend zusammen gestellt.

Trotzdem wird es so sein, dass wir zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, was die Bibel sagt, auch wenn wir grundsätzlich sagen, die Bibel ist Gottes Wort in Menschen Wort.
Warum ist das so?

Zunächst einmal:

  • das ist normal – und nicht anders zu erwarten. Jeder von uns legt die Bibel, auch wenn wir die gleiche Brille aufziehen, auch aufgrund von Erfahrungen, Lebensereignisse oder sonstigen Prägungen aus. Im Bild könnte man sagen, wir sehen unterschiedlich, selbst bei gleicher Brille. Man könnte vielleicht sagen, unsere Brillengläser fokussieren unterschiedlich. Und deshalb kommen wir auch teilweise zu unterschiedlichen Ergebnisse.
  • WICHTIG: Jesus ist das endgültige Wort Gottes – wir glauben an IHN, nicht an die Bibel. Jesu Autorität ist absolut und die Bibel ist eine Ableitung von dieser absoluten Autorität Jesu. Und unser Verständnis der Bibel oder unsere Interpretation ist wiederum eine Ableitung davon.
  1. Autorität = Jesus = absolut
  2. Autorität = Bibel
  3. Autorität = unsere Überzeugung
  4. Autorität = dreimal abgeleitet die Interpretation/ Predigt

je mehr wir von Jesus von der absoluten Autorität Jesu entfernen, desto größer ist die Vielfalt der Meinungen auch unter uns

Vieles von dem was ich gesagt habe, waren jetzt Indizien oder Erklärungen. Es war der Versuch, intellektuell zu argumentieren und verständlich zu machen, wie das mit der Bibel ist. Nun kommt aber das letztlich entscheidende, das ich bereits am Anfang erwähnt habe:

Es kommt drauf an, dass wir beim Lesen der Bibel, dem Heiligen Geist Raum geben, dass ER uns Verständnis gibt und hilft die Bibel so zu verstehen, wie Gott will, dass wir sie verstehen.

Damit der HG diesen Raum bekommt, uns die Bibel erklären zu können ist wichtig, dass wir

  • darum bitten, dass uns der Heilige Geist uns die Bibel erklärt
  • unverständliche oder mir nicht genehme Aussagen nicht weg argumentieren und auch nicht sagen: das kann nicht sein, da muss der Erzähler was falsches geschrieben haben.
    • Beispiel: Befehl Ehebrecher (Mann und Frau) zu steinigen. (5.Mose 22,22).
    • ich kann diese Textstelle weg argumentieren, indem ich sage: das ist nicht mehr zeitgemäß! Das sollte ich aber nicht tun,
  • sondern
    • erst mal selbst-kritisch fragen: wessen Maßstab ist entscheidend? Meiner oder Gottes? also im Beispiel, wenn Gott das wirklich gesagt haben sollte, dass Menschen, die Ehebruch begangen haben, gesteinigt werden soll, könnte ich das dann akzeptieren? oder nicht? Muss sich Gott an meine Wertvorstellungen anpassen? Oder geht es darum, mehr und mehr Gottes Wertvorstellungen anzunehmen?
    • dann im Licht Jesu betrachten. Jesus zeigt uns, wie Gott ist.
      • im Beispiel Ehebruch: ihr kennt die Geschichte, wo die Ehebrecherin vor Jesus gebracht wird und die Leute ihn fragen, ob sie tun sollen, was Mose geboten hat. Sie steinigen. Am Ende rechtfertigt Jesus ihren Ehebruch nicht. Aber er verurteilt sie auch nicht, sondern sagt zu ihr: „Sündige in Zukunft nicht mehr!“
  • leider löst sich eine Fragestellung nicht immer so gut auf. Wenn das der Fall ist, dann sollte ich akzeptieren: ich muss und kann nicht alles verstehen und kann und muss auch nicht immer Gottes Wege/ Entscheidungen verstehen.
  • was unverständlich bleibt oder mir weiterhin nicht in mein Gottesbild passt: stehen lassen und mit Gott darüber ins Gespräch kommen.

Ich komme zum Schluss

Die Bibel hat für jeden Menschen, der Jesus nachfolgen will, höchste Relevanz. Das geht gar nicht anders. Denn die Bibel ist die einzige Quelle, aus der wir erfahren können, wer Gott ist!
Wir glauben an Jesus, als das lebendige Wort Gottes. Die Bibel ist die erste Ableitung dieses Wortes.
In der Bibel erfahren wir, oder können wir nachlesen, wie Gott ist. In dem was Menschen aufgeschrieben haben, in dem was die Bibel über das Leben und Wirken Jesu erzählt.
Und wenn wir etwas genauer hinschauen, dann wird klar. Dieser Jesus ist Liebe. Aber er ist auch Gerechtigkeit. Dieser Jesus ist Barmherzigkeit, aber er ist auch Wahrheit. Und ich bleibe jetzt mal bei diesen vier Begriffen, auch wenn sie natürlich nur einen Teilaspekt Jesu zeigen.
Dieser Jesus ist Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit. Zwischen diesen vier Begriffen besteht eine Spannung, die sich nicht einfach auflöst: Liebe und Barmherzigkeit neigen zur Vergebung, während Gerechtigkeit und Wahrheit Strenge und Klarheit fordern. Jesus verkörpert diese Spannung. Besonders deutlich wird das am Kreuz, wo Gottes Gnade und Wahrheit sich begegnen, ohne dass sie sich gegenseitig aufheben.

Und auch wir sollten diese Spannung nicht auflösen, können es auch gar nicht.
Wenn wir von dieser Spannung wissen und im Hinterkopf haben dass es sie gibt, dann können wir auch eher unterschiedliche Meinungen oder Interpretationen akzeptieren. Es kann sein, dass die andere Meinung oder Interpretation einen anderen Aspekt betont, als ich das tue! Und das darf so sein. Mehr noch, es ist manchmal sogar gut so, denn es ergänzt meine eigene Wahrnehmung von Jesus. Aber das auszuführen, ist eine eigene Predigt.

Und wir sollten noch bedenken, ob das über das wir streiten, tatsächlich den Streit wert sind. Prio eins ist, was die Bibel über Jesus aussagt und über den Erlösungsplan Gottes für uns Menschen. Alles andere ist zweit oder drittrangig.

Amen

Zwei Fragen für eine kurze Zeit der Stille:
Welchen Stellenwert hat die Bibel gerade in meinem Leben?
Welchen will ich ihr geben?

Blogpost Foto von Aaron Burden auf Unsplash

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