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		<title>Barmherzigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Peschke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Jun 2016 08:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Christentum]]></category>
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					<description><![CDATA[Predigt zu Lukas 6, 36-42 in der Südkirche, Esslingen-Piensauvorstadt am 19.06.2016 Einleitung Als wir den heutigen Predigtext im Mitarbeiterkreis des Makarios gelesen haben und unsere Gedanken miteinander geteilt haben, da war eine Aussage, dass dieser Bibeltext so gehaltvoll sei, dass...]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">Predigt zu Lukas 6, 36-42</h3>



<p>in der Südkirche, Esslingen-Piensauvorstadt am 19.06.2016</p>



<h3 class="wp-block-heading">Einleitung</h3>



<p>Als wir den heutigen Predigtext im Mitarbeiterkreis des Makarios gelesen haben und unsere Gedanken miteinander geteilt haben, da war eine Aussage, dass dieser Bibeltext so gehaltvoll sei, dass eigentlich ein Vers genug für eine Predigt wäre.</p>



<p>Im weiteren Sammeln und überlegen, ist uns dann aufgefallen, dass die Verse zwar für sich einzeln gelesen und verstanden werden können, aber dass erst in der Gesamtheit des Textes verstanden werden kann, was Jesus uns hier aufträgt.</p>



<p>Erstmal den Zusammenhang.</p>



<p>Lukas 6 ist ein Kapitel, in dem viele Aussagen Jesu zusammengefasst werden, ähnlich wie in Matthäus 5-7, der sog. Bergpredigt – wir haben den Anfang der Bergpredigt vorhin in der Schriftlesung gehört.</p>



<p>Der Predigttext ist eingebettet in die Seligpreisungen, einige Aussagen zur Feindesliebe und dass gesunde Bäume auch gute Früchte hervor bringen.</p>



<p>Wenn wir das im Gesamtzusammenhang anschauen, dann kann man sagen, dass Jesus zunächst Segen über seinen Jüngern ausspricht (Seligpreisungen), und dann ermahnt! Nämlich, wie sich ein Jünger gegenüber seinen Feinden und gegenüber seinem Nächsten, seinem Mitbruder (Mitschwester) verhalten soll. Abschließen tut Jesus dann mit dem Hinweis, dass wenn wir als seine Jünger Ihm nachfolgen, und damit auch tun, was er uns empfiehlt, dann werden wir auch gute Früchte (gutes Charaktereigenschaften) hervorbringen.</p>



<p>Doch nun will ich ihnen den Predigtext nicht länger vorenthalten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.<br>37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. 38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.<br>39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? 40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.<br>41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!</em></p>
<cite>Lukas 6, 36 &#8211; 42</cite></blockquote>



<p>Der erste Vers: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist – gibt den Grundtenor des Textes wieder. Er ist wie eine Überschrift. Was dann folgen, sind praktische Beispiele und Begründungen. Jesus fordert uns auf, barmherzig zu sein – weil auch unser Vater im Himmel barmherzig ist. Und sogar noch mehr: Wir sollen barmherzig sein – so barmherzig, wie unser Vater im Himmel.</p>



<p>Als die ersten Missionare nach Germanien kamen, und versucht haben den Germanen zu erklären, dass Gott barmherzig ist, war schnell klar, dass die Germanen kein Wort kannten, dass das ausdrücken konnte. Die Germanen waren sozusagen ohne Barmherzigkeit. D.h. erst der christliche Glaube hat die Barmherzigkeit nach Germanien gebracht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Missionare mussten das Wort Barmherzigkeit erschaffen!</h3>



<p>Das gibt es im übrigen auch heute noch, dass Bibelübersetzer neue Worte erschaffen müssen, damit sie in der Sprachen in die sie die Bibel übersetzen, das ausdrücken können, was in der Bibel steht.</p>



<p>Was nach diesem ersten, einleitenden Satz folgt, sind verschiedene praktische Anwendungen, wie Barmherzigkeit geübt werden kann.</p>



<p>Im ersten Vers heißt es: <i>37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.</i></p>



<p>Vor kurzem ist ins Makarios eingebrochen worden. Die Folgen sind vielfältig. Wir haben sicherheitshalber erstmal alle Wertgegenstände, die noch nicht gestohlen wurden, mitgenommen. Denn wenn einmal jemand einbricht, kann das ja wieder passieren. Unser Sascha, hat viele Stunden damit verbracht, den Einbruch der Polizei zu melden, Aussage machen usw. Aber darüber hinaus hat es uns als Team viele Stunden gekostet, weil wir überlegen mussten, wie wir in Zukunft einen Einbruch verhindern können. Ob wir einen Tresor anschaffen, welche Schlüssel fehlen usw.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gnade Dir Gott</h3>



<p>Der erste Impuls von mir war: wenn ich den Typ zwischen die Finger bekommen, dann Gnade ihm Gott. Und als der Gedanke durch war, hab ich gemerkt – nein das kann und darf nicht sein. Weder will ich die Einbrecher verdammen, noch mich zur Richter aufspielen. Denn auch wenn ich selber noch nie irgendwo eingebrochen bin, so bin ich dennoch ein Sünder und auf die Barmherzigkeit Gottes angewiesen. Natürlich will ich trotzdem, dass die Täter gefasst werden, und dass sie eine gerechte Strafe bekommen. Aber das ist nicht meine Aufgabe. Das ist Aufgabe der Polizei, des Gerichtes und die Aufgabe Gottes.</p>



<p>Außerdem war uns allen klar: wir vergeben diesen Einbrechern. Vergeben für den Stress, vergeben für den Diebstahl, vergeben für die vielen zusätzlichen Stunden an Arbeit. Vergeben, weil auch ich Vergebung benötige. Immer und immer wieder.</p>



<p>Wenn man in so einer Situation, den Ärger hinter sich lassen kann, dann ist das im übrigen eine gute und wertvoll Entlastung.</p>



<p>Welche Situationen, welche Menschen kommen Ihnen in den Sinn, wenn sie diesen Vers hören? <i>Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.</i></p>



<p>Sind Sie bereit zu vergeben? Und wenn der Schmerz zu tief sitzt – und es gibt Dinge, die so tief verletzt haben, dass das mit der Vergebung ganz schön schwierig ist – also wenn der Schmerz zu tief sitzt, sind Sie dann bereit, dass Jesus in diese Situation kommt? Um den Schmerz zu nehmen und Vergebung zu ermöglichen? Oder halten Sie fest an dem was geschehen ist?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Prinzip: Geben hilft, genug zu haben</h3>



<p>Dann geht Jesus noch einen Schritt weiter:</p>



<p><i>38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.</i></p>



<p>Jesus empfiehlt uns, großzügig zu geben. Da geht es nicht nur um Geld! Da geht es auch um Liebe, um Zeit, um Leidenschaft etc. und Jesus verheißt, dass je mehr wir geben, desto mehr werden wir wieder bekommen. Das ist ein himmlisches Prinzip! Jesus spricht darüber ja auch an anderen Stellen der Evangelien.</p>



<p>Ich weiß nicht, ob sie das Prinzip des 10ten kennen. Dieses Prinzip heißt, dass von allem was ich bekomme, zehn Prozent an Gott gehen. Mein Gehalt – zehn Prozent für das Reich Gottes investieren, z.B. indem ich es an meine Gemeinde und gute Projekte die ich unterstützen will, gebe. Meine Zeit – zehn Prozent meiner Zeit für das Reich Gottes zu investieren. Indem ich einen Mesnerdienst übernehme. Indem ich eine Jungschargruppe leite oder….</p>



<p>Dieses Prinzip kann man auf alle Bereiche des Lebens übertragen. Und was wir erleben werden ist, dass wir trotzdem keinen Mangel haben. Weder finanziell, noch zeitlich, noch in sonst einem Bereich. Im CVJM leben viele Mitarbeiter dieses Prinzip. Sie arbeiten unentgeltlich mit und geben dafür noch Geld in den CVJM. Und das Erstaunliche ist: selbst diejenigen, die finanziell nicht so üppig gesegnet sind, erleben die Versorgung Gottes.</p>



<p>Jesus fordert uns auf großzügig zu sein, nicht klein klein zu rechnen. Deshalb können wir selbst dann, wenn wir den 10ten praktizieren eine falsche Haltung haben. Nämlich dann, wenn wir meinen, wir wären ein besonders guter Christ weil wir das tun, oder weil wir zu kleinlich drauf schauen auch ja immer genau den 10ten zu geben. Wir leben hier in Deutschland in großem Reichtum. Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, großzügig zu sein. Ist doch merkwürdig.</p>



<p>Es ist eine Verheißung! Wer großzügig ist, wird auch großzügig belohnt. Wollen Sie der Verheißung neu glauben schenken?</p>



<h3 class="wp-block-heading">Blinde die Blinde führen?</h3>



<p>Im nächsten Vers zeigt Jesus auf, warum die obenstehenden Verhaltensweisen gut und richtig und wichtig sind:</p>



<p><i>39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?</i></p>



<p>Die Frage Jesu ist rhetorisch. Jeder weiß die Antwort. NEIN. Ein Blinder kann keinem anderen Blinden den Weg weisen. Was will Jesus damit sagen?</p>



<p>Ist es nicht so, dass wir grundsätzlich den Aussagen Jesu zustimmen? Klar ist Vergebung gut und wichtig. Klar soll man nicht geizig sein. Ja, es ist richtig niemanden zu schnell zu verurteilen. Haben Sie gemerkt, wie ich die Aussagen Jesu abgeschwächt habe? Aus großzügig geben wird: „nicht geizig sein“. Aus nicht richten wird: „niemanden zu schnell verurteilen“. Ich merke an mir selber, dass diese Tendenz da ist. Es kommen mir Gedanken: „So genau kann man das doch nicht nehmen“. Oder: „Jesus meint das doch nicht so krass.“</p>



<p>Und in der täglichen Praxis ist es doch so, dass wir uns schnell selbst bemitleiden, weil man ungerecht behandelt wurde. Oder dass wir schnell dabei sind, jemanden zu beschimpfen, der mir auf den Geist geht. Das ist doch normal, oder? Wir wollen das vielleicht gar nicht, trotzdem passiert es immer wieder.</p>



<p>Wir sollten uns nichts vormachen – Jesus können wir eh nichts vormachen. Wir sollten ehrlich in den Spiegel schauen, oder uns von Jesus den Spiegel vorhalten lassen. Jesus ist barmherzig und wir dürfen mit unserem Versagen zu IHM kommen. Aber das können wir nur, wenn wir bereit sind unser Versagen zu erkennen und zu bekennen!</p>



<p>Jesus meint mit seiner Frage: <i>Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? </i>, dass wenn wir uns nicht an das halten, was er uns empfiehlt (oder eher was Er uns befiehlt), dann sind wir Blinde. Und dann können wir uns nicht einbilden, jemand anderem sagen zu können, was richtig und falsch ist, oder im Bild zu bleiben, wo die Grube ist und wo nicht.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jesus ist der Meister</h3>



<p>Und dann spricht Jesus über das Verhältnis von uns zu Ihm:</p>



<p><i>40 Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.</i></p>



<p>Damit ist zum einen gesagt, dass Jesus vollkommen ist, und zum anderen wird deutlich: niemand von uns ist vollkommen, niemand weiß es besser als Jesus. Das unterstreicht nochmals das, was ich vorhin versucht habe zu verdeutlichen: Jesus weiß es! Er weiß was gut ist! Er weiß was richtig ist! Wir sollen ihm nachfolgen und nicht meinen, es besser zu wissen. Das ist sozusagen, die Ursünde der Menschheit, die in den ersten Kapiteln der Bibel beschrieben wird. Dass wir meinen, wie Gott zu sein, und entscheiden zu können, was gut ist und was böse ist. Und tatsächlich haben wir ein Urteilsvermögen! Doch wenn unser Urteilsvermögen über dem steht, was Gott sagt, was Jesus sagt, dann liegen wir falsch.</p>



<p>Der Abschluss der Rede, ist dann ein sehr bekannter Vers:</p>



<p><i>41 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? 42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst! </i></p>



<p>Dieser Vers fasst nochmals die Verse davor zusammen. Im Umgang mit unseren Nächsten geht es immer zuerst darum, wie wir sind! Bin ich barmherzig? Bin ich bereit zu vergeben? Verzichte ich darauf jemand anderen zu richten? Oder zu verdammen? Bin ich bereit großzügig zu geben?</p>



<p>Wir sind schnell dabei, die Fehler der Anderen zu erkennen. Wie kann man nur? Hast Du gehört, was der gemacht hat? Weißt Du, dass…..</p>



<p>Die Abschlussverse weisen uns darauf hin, dass wir zuallererst auf uns selber schauen sollen, auf das wie wir uns verhalten und erst dann auf unseren Nächsten.</p>



<p>Wenn Jesus uns auffordert zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu nehmen, dann hat das auch damit zu tun, dass wir vorher – also bevor wir den Balken aus unserem Auge gezogen haben &#8211; doch gar nicht den Splitter gescheit aus dem Auge des Gegenübers ziehen können. Denn solange wir in einem Auge einen Balken haben, sehen wir doch gar nicht gut genug. Mit einem Auge kann man nämlich nicht richtig dreidimensional sehen! Dafür braucht man beide Augen!</p>



<p>Was Jesus nicht möchte ist, dass wir die Fehler der Anderen benennen, ohne uns selber bewusst zu sein, dass auch wir Fehler haben. Wir sind eine Gemeinschaft von Sündern.</p>



<p>Was Jesus auch nicht möchte ist, dass wir alle Fehler unter eine Decke stopfen und sie einfach ignorieren. Oder dass wir Fehler bagatellisieren.</p>



<p>Jesus möchte dass wir uns unserer eigenen Unzulänglichkeit bewusst sind. Dann können wir auch mit der entsprechenden Barmherzigkeit, auf die Unzulänglichkeit des Anderen hinweisen. Jesus möchte, dass wir uns in die Situation unseres Nächsten hineindenken und versuchen zu verstehen, warum dieser so gehandelt hat, wie er es tut. Was nicht heißt, dass ich dann das gut finden muss, was dieser tut.</p>



<p>Aber, wenn ich mir meiner eigenen Fehler bewusst bin, dann werde ich barmherziger mit meinem Gegenüber sein. Ich sage hier deutlich bewusst: denn unbewusste, uneingestandene, vertuschte Fehler können zum Gegenteil führen. Dann muss der eigene Fehler im Anderen bekämpft werden. In der Psychologie spricht man vom dunklen Zwilling.</p>



<p>Der Schlüssel ist Nächstenliebe. Jesus sagt in Matthäus 22, dass das Gesetz erfüllt ist, durch die Liebe zu Gott und die Liebe zum Nächsten. Die Liebe zum Nächsten, das ist die Grundvoraussetzung, den Splitter im Auge des Anderen entfernen zu können.</p>



<p>„Nächstenliebe“ heißt im englischen: Christian Love.</p>



<p>Das bedeutet, dass die Nächstenliebe – die „Christian Love“ – ein Markenzeichen ist. Christen lieben ihren Nächsten. So wie wir Tempo sagen, wenn wir Papiertaschentuch meinen, ist die Nächstenliebe, die spezielle Liebe der Christen. Christen lieben ihren Nächsten.</p>



<p>Lassen sie uns Täter sein, nicht nur Hörer. Damit Nächstenliebe und Barmherzigkeit nicht nur Worte im christlichen Vokabular sind, braucht es uns!</p>



<p>Amen</p>



<p>Foto von <a href="https://unsplash.com/@giulia_bertelli?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Giulia Bertelli</a> auf <a href="https://unsplash.com/de/s/fotos/compassion?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
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		<title>Splitter und Balken &#8211; oder warum ehrlich (vielleicht) am längsten währt.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Peschke]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2015 10:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Christentum]]></category>
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<p>Predigt beim <a href="https://www.einanderergottesdienst.de/de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">eAg</a> am 05.Juli 2015</p>



<p>Das Stichwort unter dem der heutige eAg steht, lautet: </p>



<h3 class="wp-block-heading">ehrlich</h3>



<p>Ein schönes Wort – aber auch ein gefährliches. Ehrlich zu sein, das ist zunächst einmal etwas, das Respekt verdient. Ehrlich sein, wird im Allgemeinen als positiv gesehen – aber nicht nur. Es gibt durchaus Kreise und Menschen, bei denen Ehrlichkeit belächelt wird, als naiv eingeordnet, oder sogar gnadenlos ausgenutzt wird.</p>



<p>Das Sprichwort: „Ehrlich währt am längsten“ kennen Sie vermutlich alle. Doch stimmt das Stichwort eigentlich? Lohnt es sich wirklich, ehrlich zu sein?<br>Sicher, viele Lügner &#8211; oder zumindest Einige, werden erwischt. Aber längst nicht alle. Es gibt kluge Lügner, und weniger Kluge. Einige finden einfach immer ein Schlupfloch um sich heraus zu reden. Und oftmals sind die Ehrlichen die Dummen – zumindest erscheint es auf den ersten Blick so.</p>



<p>Wenn jemand eine seiner Lügen zugibt &#8211; was bekommt er dann? Respekt? Barmherzigkeit? Kann auch passieren. Ich hoffe, dass es in den christlichen Gemeinschaften so ist. Und vor Gericht kann ein Geständnis strafmildernd wirken.</p>



<p>Aber das was passierte, als Uli Höneß sich selbst anzeigte, weil er Steuern hinterzogen hatte, ist meines Erachtens die häufigere Variante, wie mit geständigen Lügnern und Tätern umgegangen wird. Und wie reagierte die Öffentlichkeit, die Presse, als er das Urteil des Gerichtes anerkannte und akzeptierte, dass er für sein Vergehen einige Zeit hinter Gitter musste? Wie haben Sie reagiert? Vielleicht war das ein schlechtes Beispiel, denn allein der Name Uli Höneß löst bei vielen Menschen in Deutschland Argwohn, Bitterkeit und sogar Hass aus. Doch in wie weit ist dies gerechtfertigt?</p>



<p>Die Gesellschaft schafft nicht gerade eine Atmosphäre, damit man sich leichter traut zu seinen Fehlern, Lügen oder Verfehlungen zu stehen. Im Gegenteil.</p>



<p>Im Jugendhaus, in dem ich arbeite, ist das eines der Dinge, die mich sehr viel Kraft kosten. Es geht etwas kaputt, es wird etwas dreckig, es fehlt was … wer war es? Niemand. Dabei versuche ich und mit mir das Mitarbeiterteam eine Atmosphäre zu schaffen, in dem es eigentlich leicht sein müsste zuzugeben, wenn was schief gelaufen ist. Immer wieder betone ich, dass niemandem der Kopf abgerissen wird, dass wir eine Lösung finden, wenn etwas teures kaputt gegangen ist&#8230; und lobe die ganz Wenigen, die eine Verantwortung eingestanden haben, und versuche daran zu zeigen, dass es geht, dass es gut ist! Dabei ist das nicht in erster Linie ein Problem der Jugendlichen. Nein, sogar viele Erwachsene haben wenig bis keine Skrupel, mir ins Gesicht zu lügen. Mein Problem: ich weiß oft nicht wer lügt und wer die Wahrheit sagt.</p>



<p>Ehrlich. Wer ist ehrlich? Das ist manchmal gar nicht so einfach zu erkennen. Im Ukraine Konflikt war lange nicht eindeutig, ob nun tatsächlich russische Soldaten im Konflikt mitmischen. Die Lage schien klar. Alle Nachrichtensender behaupteten, oder lieferten Indizien dafür. Zumindest alle westlichen Medien. Eine Frage des Vertrauens. Doch ich war misstrauisch. Spätestens seit die USA, vor einigen Jahren unterirdische Giftgasanlagen im Irak „bewiesen“, die sich nach der Eroberung des Irak als Fake herausgestellt haben, ist das Vertrauen in die Amis gestört, wenn nicht sogar zerstört.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Recht</h3>



<p>Wer hat Recht? Im Schuldenstreit mit Griechenland gibt es vereinfacht gesagt zwei Positionen. Und selbst wenn die große Mehrheit der Regierungen in der EU eine andere Meinung vertritt als die Regierung Griechenlands &#8211; wie können wir beurteilen, wer Recht und wer Unrecht hat? Kennen wir die Details? Kennen wir die Zusammenhänge?</p>



<p>Außerdem, gibt es eine Menge Leute, die zu ihren Fehlern ganz und gar nicht stehen können. Die eine eigene Verantwortung oder Schuld nicht zugeben können, die auf Biegen und Brechen ihre Tat oder Taten verteidigen. Die es nicht gebacken bekommen, um Entschuldigung zu bitten oder auch nur zu ihrem Fehler zu stehen.</p>



<p>Im Moment ist ja gerade der Prozess um den KZ Aufseher Oskar Gröning in der Presse. Seine Schuld und Verantwortung ist relativ offensichtlich. Er hat nichts mehr zu verlieren. Er über 90 Jahre alt. Trotzdem kommt kein Wort des Bedauerns oder der Bitte um Vergebung über seine Lippen.</p>



<p>Aber wir brauchen gar nicht so weit gehen. Oder mit dem Finger auf diesen Menschen zu zeigen. Vor kurzem hat mir eine meiner Töchter folgendes erzählt: eine Lehrerin hat einige Schüler rund gemacht, weil diese ihre Hefte nicht abgegeben haben. Die Schüler behaupteten zwar, dass sie die Hefte längst abgegeben hätten, aber die Deutungshoheit hat die Lehrerin. Und dann stellt sich einige Stunden später doch heraus, dass nicht die Schüler ihre Hefte vergessen hatten abzugeben, sondern die Lehrerin die abgegebenen Hefte verschlampt hatte. Steht sie zu ihrer Schuld? Zu ihrer Verantwortung?</p>



<p>Es ist eine Grundtendenz des Menschen, von uns allen, dem Anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Die Verantwortung beim Anderen zu suchen. Den Anderen nieder zu machen um selber besser dazustehen.</p>



<p>Ehrlich zu sein, das ist ganz schön schwer. Ehrlich zu sein, das ist ganz schön angefochten – das passiert nicht einfach so, dafür müssen wir uns entscheiden. Ehrlich sein &#8211; nicht nur gegenüber den Anderen, sondern auch ehrlich gegenüber sich selber. Auch das ist ein sehr schwieriges Thema. Nicht nur Alkoholiker haben ein Problem damit zu erkennen, dass sie ein Problem haben &#8211; sondern jeder von uns hat an der einen oder anderen Stelle ein Problem &#8211; eine schwarze Stelle, einen blinden Fleck, wo wir nicht erkennen können, dass wir falsch liegen und darauf angewiesen sind, dass andere Menschen uns helfen dabei weiter zu kommen. Aber lassen wir zu, dass andere Menschen uns auf solche Flecke hinweisen?</p>



<p>Das war jetzt eine lange Vorrede, und dabei habe ich nur einen kleinen Teil von dem aufgegriffen, was mir dazu eingefallen ist – aber nun komme ich endlich zum biblischen Text. Die Worte aus der Bergpredigt im Evangelium nach Matthäus, greifen aus meine Sicht, genau diese Fragen und Probleme auf. Jesus sagt dort folgendes:</p>



<p><em>»Verurteilt niemand, damit auch ihr nicht verurteilt werdet. Denn so, wie ihr über andere urteilt, werdet ihr selbst beurteilt werden, und mit dem Maß, das ihr bei anderen anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Wie kommt es, dass du den Splitter im Auge deines Bruders siehst, aber den Balken in deinem eigenen Auge nicht bemerkst? Wie kannst du zu deinem Bruder sagen: ›Halt still! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen‹ – und dabei sitzt ein Balken in deinem eigenen Auge? Du Heuchler! Zieh zuerst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann wirst du klar sehen und kannst den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehen.«</em><sup class="modern-footnotes-footnote ">1</sup></p>



<p>Jesus beginnt seine Rede mit einer Aufforderung und einer Warnung: Verurteilt niemanden! Damit auch ihr nicht verurteilt werdet!</p>



<p>Jesus fordert uns auf keinen anderen Menschen zu verurteilen, ja nicht mal ihn zu beurteilen. Warum? Weil wenn Du jemanden verurteilst, oder beurteilst, dann wird eines Tages jemand anderes kommen und Dich beurteilen, und Dich mit dem gleichen Maßstab beurteilen. Ein anderer wird beurteilen, ob Du ein besserer Mensch bist als der, den Du verurteilt hast.<br>Das heißt, genau genommen, fordert Jesus uns nicht auf gar nicht zu beurteilen oder zu verurteilen, sondern er weist uns darauf hin, dass unser Maßstab der Beurteilung auch auf uns angewendet werden wird.</p>



<p>Das ist ein Prinzip, das Bedeutung hat. Jesus hat es eingesetzt, Z.B. als ihm die Ehebrecherin gebracht wurde. Ich denke die meisten werden die Geschichte kennen. Aber um sie kurz in Erinnerung zu rufen, erzähle ich sie nach.<sup class="modern-footnotes-footnote ">2</sup></p>



<p><em>Es war so: Es kamen einige Fromme und einige Theologen zu Jesus und haben eine Frau mit sich hergezogen. Vermutlich hatte sie sich gerade mal ein Leintuch umgebunden um ihre Nacktheit zu verdecken. Die Haare hatte sie offen, sie war verstrubbelt. Und in ihren Augen war Verzweiflung.</em></p>



<p><em>Und dann sprechen diese Männer – es scheint so, dass es nur Männer waren – diese Männer sprechen Jesus an. Mit dem Ehrentitel Meister! Ich möchte nicht beurteilen ob sie das ernst gemeint haben, oder eher spöttisch oder herausfordernd. Auf jeden Fall sagen sie: „Meister, diese Frau ist eine Ehebrecherin; sie ist auf frischer Tat ertappt worden. Mose hat uns im Gesetz befohlen, solche Frauen zu steinigen. Was sagst Du dazu?“</em></p>



<p><em>Jesus hätte nun fragen können, „und wo ist der Mann, der zum Ehebruch nötig ist?“ oder er hätte zitieren können was Mose tatsächlich geboten hat, dort steht nämlich: Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum daß er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat.Interessanterweise wird nämlich im Text aus dem dritten Mosebuch, viel stärker die Schuld und Verantwortung des Mannes betont, gegenüber der Frau.</em></p>



<p><em>Aber Jesus tut dies nicht.</em></p>



<p><em>Jesus sagt vielmehr: „Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen“</em></p>



<p><em>Und dann wird berichtet, dass nach dieser Aussage zuerst die Älteren unter den Männern und schließlich alle Anderen den Platz verlassen. Sie erkennen: auch ich bin ein Sünder. Sie waren bereit in den Spiegel zu schauen und ihre Sünde, zumindest gegenüber sich selber, einzugestehen.</em></p>



<p><em>Und als alle weg sind, fragt Jesus: „Wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt?</em></p>



<p><em>„Nein, Herr, keiner“, antwortete sie.</em></p>



<p><em>„Ich verurteile dich auch nicht; du darfst gehen. Sündige von jetzt an nicht mehr!“</em></p>



<p>Jesus verzichtet auf ein Urteil. Er spricht die Frau frei. Aber er bagatellisiert ihre Sünde nicht, er fordert sie auf, in Zukunft nicht mehr zu sündigen. D.h. er fordert sie auf, an sich zu arbeiten, er fordert sie auf bereit zu sein ihr Verhalten zu verändern, er fordert sie auf nicht den Gefühlen oder den scheinbaren Notwendigkeiten nach zu geben, sondern nach den Geboten Gottes zu leben.<br>Wenn schon Jesus auf ein Urteil verzichtet, wie viel mehr dann wir?</p>



<p>In unserem Text aus der Bergpredigt mit dem Splitter und Balken &#8211; fragt Jesus dann, wie es eigentlich kommt, dass es leicht ist den Splitter im Auge des Anderen zu sehen, aber gleichzeitig mit einem Balken rum zu laufen und es nicht mal zu merken oder nicht wahrhaben zu wollen.</p>



<p>Hatten Sie schon mal einen Splitter im Auge? Ich schon. Einen Eisensplitter. Schmerzhaft. Die Sehkraft ist eingeschränkt. Am liebsten lässt man das Auge zu &#8211; aber auch dann tut es weh. Wenn man das hat, dann möchte man unbedingt, dass der Splitter raus kommt und das Auge wieder heilen kann. Doch Jesus spricht hier so von dem Balken und dem Splitter, dass es scheint, es sei nicht so, dass man ihn aus dem Auge haben will!</p>



<p>Jesus spricht so von dem Splitter und dem Balken im Auge, dass es scheint, dass weder der mit dem Splitter seinen Splitter los werden will &#8211; wenn er ihn überhaupt bemerkt. Noch dass der mit dem Balken seinen Balken los werden will.</p>



<p>Klar, Jesus spricht hier nicht von Splittern und Balken &#8211; das ist uns allen klar. Er spricht im übertragenen Sinn. Er spricht von unseren Fehlern, von unseren Sünden, von unseren Lügen usw. Aber in dem von Jesus verwendeten Bild können wir sehen, wie wir mit unseren Sünden und Fehlern eigentlich umgehen müssten. Eigentlich müsste es doch so sein, dass uns unsere Fehler und Sünden so schmerzen, dass wir sie los haben wollen. Doch oftmals ist das Gegenteil der Fall. Wir versuchen sie zu vertuschen, klein zu reden, oder zu ignorieren, oder zu rechtfertigen.</p>



<p><strong>Warum tun wir das?</strong></p>



<p>Dafür gibt es mehrere Gründe oder Möglichkeiten, ein paar davon sind:<br>Oftmals ist uns peinlich was wir getan haben.<br>Es kann sein, dass wir denken, dass es schädlich wäre, wenn andere davon wüssten.<br>Es kann sein, wenn es verboten ist, droht uns eine Strafe.<br>Vielleicht sind wir auch nicht bereit, die Verantwortung für unser Tun wahrzunehmen.<br>Es kann auch sein, wir verstehen gar nicht was wir falsch gemacht haben. Wir erkennen unsere Fehlhaltung nicht.</p>



<p>Egal, welche Gründe es dafür gibt, dass wir so handeln, wie wir es tun – wir müssen uns immer wieder klar machen – wir kommen nicht darum herum unseren Splitter oder Balken wahrzunehmen und ihn herauszuziehen oder herausziehen zu lassen.</p>



<p>Wenn wir im Bild vom Splitter und Balken im Auge bleiben. Wie können wir den Balken denn loswerden? Es gibt zwei Möglichkeiten. Und für beide ist es notwendig in den Spiegel zu schauen.</p>



<p>Die eine Möglichkeit ist die, dass wir in den Spiegel schauen und ihn dann selber heraus ziehen. Allerdings müssen wir bedenken, dass im Spiegel alles spiegelverkehrt ist.</p>



<p>Die andere Möglichkeit ist die, wenn wir in den Spiegel schauen und den Splitter oder Balken sehen, dass wir bitten jemand anderen bitten uns den Balken heraus zu ziehen.</p>



<p>In den Spiegel schauen ist nichts anderes, als die eigene Sünde, den eigenen Fehler zu erkennen. Ja so ist es, ja so bin ich, ja das habe ich getan. Erst dann kann ich Jesus meine Sünde bekennen und Vergebung empfangen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Beichte und Heucheln</h3>



<p>Aber vielleicht ist mir das Entfernen des Balkens so heikel, dass ich lieber jemand anderen darum bitte, es zu tun. Das ist nichts anderes als zu beichten. Meine Sünde bekennen und Vergebung dafür zu empfangen, durch den Zuspruch eines Bruders oder Schwester, die im Namen Jesu die Vergebung zuspricht. Beichte kann etwas sehr befreiendes sein &#8211; nicht nur für Katholiken, sondern für jeden Christen.</p>



<p>Jesus beendet diesen Textabschnitt der Bergpredigt mit deutlichen Worten. Jesus sagt: Du Heuchler. Jesus bezichtigt mich (und ich bin so frei, auch Sie – uns alle) Heuchler zu sein. Und dann fordert er uns auf, zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu ziehen, bevor wir uns dem Splitter im Auge unseres Gegenübers zuwenden.</p>



<p>Bei Wikipedia wird Heuchelei wie folgt beschrieben:<br>Heuchelei bezeichnet ein moralisch bzw. ethisch negativ besetztes Verhalten, bei dem eine Person absichtlich nach außen hin ein Bild von sich vermittelt, das nicht ihrem realen Selbst entspricht. Das zugrundeliegende Zeitwort heucheln stammt ursprünglich vom unterwürfigen ducken und kriechen des Hundes und wurde auf vorgespieltes, schmeichelndes Verhalten übertragen.</p>



<p>Der Philosoph und Theologe Friedrich Kirchner definierte Heuchelei als eine „aus selbstsüchtigen Interessen entspringende Verhüllung der wahren und Vorspiegelung einer falschen, in dem Betreffenden nicht vorhandenen lobenswerten Gesinnung“ und führt auf, dass ein Heuchler besser erscheinen wolle, als er ist, „um Mächtigen zu gefallen“ und „davon Gewinn zu haben“.</p>



<p>Nicht sehr schön. Jesus unterstellt uns also, dass wir falsche Tatsachen vorspieglen. Dass wir unsere wahren Motive verhüllen. Dass wir nur so tun, als ob wir was Gutes tun würden. Hat Jesus Recht?</p>



<p>Wer von uns, kann von sich behaupten, dass er niemals etwas ein klein wenig vorteilhafter für sich selber dargestellt hat, als es eigentlich war? Wer von uns, hat noch niemals etwas getan, um seine wahren Absichten zu vertuschen? Wir regen uns über das Verhalten von anderen Menschen auf &#8211; aber wir bemerken nicht, dass unser Verhalten Andere aufregt? Wir zeigen mit dem Finger auf den, der einen Fehler gemacht hat, aber unsere eigenen Fehler versuchen wir zu vertuschen. Wir kritisieren gerne und viel, aber selber können wir es oft weder besser, noch sind wir bereit es überhaupt zu tun.</p>



<p>Klar hat Jesus recht in dem was er sagt.</p>



<p>Und Jesus fragt uns, ob wir bereit und fähig sind zu erkennen, wo es in unserem Leben wir uns heuchlerisch verhalten? Wo wir falsche oder halbwahre Tatsachen vorspielen?</p>



<p>Wenn Jesus uns auffordert zuerst den Balken aus dem eigenen Auge zu nehmen, dann hat das auch damit zu tun, dass wir vorher – also bevor wir den Balken aus unserem Auge gezogen haben &#8211; doch gar nicht den Splitter gescheit aus dem Auge des Gegenübers ziehen können. Denn solange wir in einem Auge einen Balken haben, sehen wir doch gar nicht gut genug. Mit einem Auge kann man nämlich nicht richtig dreidimensional sehen! Dafür braucht man beide Augen!</p>



<p>Was Jesus nicht möchte ist, dass wir die Fehler der Anderen benennen, ohne uns selber bewusst zu sein, dass auch wir Fehler haben. Wir sind eine Gemeinschaft von Sündern.</p>



<p>Was Jesus auch nicht möchte ist, dass wir alle Fehler unter eine Decke stopfen und sie einfach ignorieren. Oder dass wir Fehler bagatellisieren.</p>



<p>Jesus möchte dass wir uns unserer eigenen Unzulänglichkeit bewusst sind. Dann können wir auch auf die Unzulänglichkeit des Anderen hinweisen. Jesus möchte, dass wir uns in die Situation unseres Nächsten hineindenken und versuchen zu verstehen, warum dieser so gehandelt hat, wie er es tut. Was nicht heißt, dass ich dann das gut finden muss, was dieser tut.<br>Aber, wenn ich mir meiner eigenen Fehler bewusst bin, dann werde ich barmherziger mit meinem Gegenüber sein. Ich sage hier deutlich bewusst: denn unbewusste, uneingestandene, vertuschte Fehler können zum Gegenteil führen. Dann muss der eigene Fehler im Anderen bekämpft werden.</p>



<p>Und wenn ich verstehe, warum mein Gegenüber so gehandelt hat &#8211; oder zumindest es erahne &#8211; dann werde ich sein Handeln anders bewerten, als wenn ich nur von außen drauf schaue.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wer muss sich verändern?</h3>



<p>Und noch Eines möchte ich dazu legen: ich kann mein Gegenüber nicht verändern. Ich kann nur mich selbst verändern und mein Verhalten. Im übertragenen Sinn heißt das, wir können den Balken aus unserem Auge ziehen, aber wir sollten uns hüten, den Splitter im Auge unseres Gegenüber anzurühren &#8211; außer er bittet uns darum oder unser Motiv ist Liebe.</p>



<p>Vor zwei Wochen hat Philip bei seiner Predigt zu einem anderen Teil der Bergpredigt sinnhalber gesagt: Liebe verändert alles!</p>



<p>Ja, das ist wahr.</p>



<p>Die Liebe zum Nächsten, das ist die Grundvoraussetzung, den Splitter im Auge des Anderen entfernen zu können.<br>Wenn ich mein Gegenüber aus Liebe und mit Liebe darauf hinweise, dass er einen Splitter im Auge hat, dann überlege ich mir natürlich, wie sage ich es, dass es hilfreich ist. Damit ist nicht gesichert, dass es auch hilfreich ankommt, oder dass mein Gegenüber sagt: vielen Dank für den Hinweis. Aber es ist eine wichtige Grundvoraussetzung vorhanden.</p>



<p>Vertrauen<br>Liebe<br>Barmherzigkeit</p>



<p>das sind die Grundlagen für gelingende Kritik, für korrigierendes Eingreifen, für die Schlichtung eines Konfliktes.</p>



<p>Wie würde der Konflikt mit Griechenland aussehen, wenn zwischen denen die da miteinander verhandelt haben Vertrauen gewesen wäre? Wenn jede Seite sich an die eigene Nase gefasst hätte und eingesehen und bekannt, wo sie falsch gelegen sind, wo was schief gelaufen war? Wenn die EU versucht hätte zu verstehen, warum die Griechen nicht mehr mitmachen wollen? Wenn die griechische Regierung versucht hätte zu verstehen, warum die Geldgeber bestimmte Veränderungen fordern bevor sie weiter Geld geben?</p>



<p>Wie würde der Krieg in der Ukraine aussehen, wenn zwischen Russland, EU, USA und der Ukraine vollstes Vertrauen bestehen würde? Wie würde er aussehen, wenn alle Beteiligten überlegen würden, was ist denn das Beste für die Menschen in der Ukraine?</p>



<p>Was wäre gewesen, wenn die Lehrerin (welche die Hefter der Schüler verschlamppt hatte) persönlich zu den Schülern gegangen wäre und sich entschuldigt hätte?</p>



<p>Wie wäre das für die Opfer des KZ , wenn der Aufseher Görning sich und dann auch den Hinterbliebenen eingestehen könnte, dass sein Handeln falsch war?</p>



<p>Wie wäre das Echo in der Presse gewesen, wenn die Redakteure ihr eigenes Verhalten zum Maßstab gemacht hätten um Uli Höneß zu beurteilen?</p>



<p>Vielleicht denken Sie an eine Situation aus ihrem Leben, die verfahren erscheint. Die schmerzlich ist. Vielleicht erinnern Sie sich gerade an eine Sache, wo der Spruch: Ehrlich währt am längsten, von Ihnen nicht berücksichtigt worden ist. Oder wo Sie jemand anderen verurteilt haben oder beurteilt ohne sich klar gewesen zu sein, dass auch Sie selber ein Sünder sind?</p>



<p>Ein Konflikt ist nie die Schuld einer Seite, sondern immer sind beide Seiten (oder alle Seiten) beteiligt und verantwortlich. Wie betrachten wir unseren Feind? Unser Gegenüber? Sehen wir ihn mit Barmherzigkeit und Liebe an?</p>



<p>Ich wünsche uns allen, dass wir den Balken in unserem Auge erkennen.</p>



<p>Amen</p>



<p>Foto von <a href="https://unsplash.com/@davidboca?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">David Boca</a> auf <a href="https://unsplash.com/de/s/fotos/splinter-beam?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText">Unsplash</a></p>
<div>1&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Matthäus 7, 3-5</div><div>2&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johannes 8, 3ff </div>]]></content:encoded>
					
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